Synodenpräses Schwaetzer fordert politisches Engagement der Kirchen

24. September 2014

Bad Kreuznach/Bad Münster am Stein-Ebernburg (epd). Die evangelische Kirche muss sich nach Aussage der Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Irmgard Schwaetzer, in die politische Diskussion einbringen. Die Kirche habe die Aufgabe, bei wichtigen gesellschaftlichen Themen wie der Friedensethik und bei sozialen Problemen Position zu beziehen, sagte die frühere Bundesministerin am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd). "In der Tagespolitik hat sie aber nichts zu suchen", sagte Schwaetzer, die seit November 2013 das Kirchenparlament leitet.

Die Kirche müsse Politik und Gesellschaft "den Spiegel der Ethik des Neuen Testaments vorhalten", sagte die FDP-Politikerin und ehemalige Bundesbauministerin. In ihrer Zeit als aktive Bundespolitikerin habe sie stets versucht, aus der Bibel Maßstäbe für politische Entscheidungen abzuleiten. In extremen Situationen wie zum Schutz wehrloser Flüchtlinge in Syrien und im Irak vor der Terrororganisation "Islamischer Staat (IS)" sei auch militärische Gewalt legitim. Schwaetzer spricht an diesem Mittwochabend in der evangelischen Bildungsstätte Ebernburg im Bad Kreuznacher Stadtteil Bad Münster am Stein-Ebernburg über das Thema "Reformation und Politik. Christengemeinde und Bürgergemeinde". Veranstalter sind die drei evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz und die Landesregierung.

Jeder Christ müsse für sich selbst entscheiden, ob er sich politisch einbringen wolle, sagte Schwaetzer. Auch für Pfarrer und andere kirchliche Amtsträger müsse das möglich sein. Im säkularen Staat trage eine gesellschaftlich engagierte Kirche zum inneren Frieden und zum Ausgleich der Religionen bei, sagte die Synodenpräses. Die europäische Verfassung sehe zudem ausdrücklich vor, dass sich die Kirchen am Dialog über ethische Fragen und Normen beteiligten. Gemeinsam arbeiteten die evangelischen Kirchen in Europa auf das 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017 hin.

Ein wichtiges Ergebnis der Reformation sei es, dass Staat und Kirche zwar getrennt, aber in ihren Aufgaben aufeinander bezogen seien, sagte Schwaetzer. Staatliches und kirchliches Handeln ergänzten sich gegenseitig, etwa im diakonischen Bereich. Dies sei besser als ein Zentralstaat, der alle gesellschaftlichen Aufgaben allein bewältigen wolle.