Osterbrief 2013

Ostern 2013

„Der kreisrunde Regenbogen traf mich damals wie eine Offenbarung: So also ist das! Wenn einem die kleinteilige irdische Wirklichkeit nicht die Hälfte davon verbirgt, ist er groß und rund. Die Welt ist nichts Halbes. Sie ist nicht teilbar. Wenn wir das Ganze sehen, ist alles Licht. Die Welt ist ein großes Ganzes zwischen Geist und Ding, zwischen Gott und Mensch, zwischen den ängstlichen Herzen irdischer Geschöpfe und dem All.

Was sollte aus dem großen Zusammenhang herausfallen? Um den hellen, großen Ring zog sich ein zweiter, als wolle er wiederholen: Ja, so ist es. So ist das auch mit deinem eigenen rätselhaften Dasein gemeint“ (Erfahrung von Jörg Zink in seiner Zeit als Flieger, notiert in: Zink, Ufergedanken, Gütersloh 32010).

Mit dem Hinweis auf dieses Erlebnis von Jörg Zink grüße ich Sie zu Ostern 2013. Ostern, das Symbol der Christenheit für die Überwindung von Leid und Tod durch den lebendigen Gott. Eine Deutung des Lebens über  die fragmentarische Wirklichkeit hinaus, die wir wahrnehmen. Für Christinnen und Christen der Grund des Lebensvertrauens mitten in unserer vieldeutigen Wirklichkeit. Dieses Vertrauen nennen wir „Glaube“. Dem Chaos, dem Tod, dem Leid, der Gewalt und der Lüge nicht das letzte Wort lassen. „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“, heißt es in einer alten christlichen Weisheit, die wir auch als Kirchenlied kennen (EG 518). Das ist wohl wahr. Aber auch das Gegenteil ist wahr: Aus der Kraft Gottes überwinden wir die Todesmächte mitten im Leben – und wissen uns geborgen über den Tod hinaus.