Mehr Investitionen in Integration nötig

5. März 2014

 Evangelische Kirche und Diakonie für stärkeres staatliches Engagement

Ingelheim / Frankfurt / Darmstadt, 5. März 2014. Die evangelische Kirche und die Diakonie haben am Mittwoch in Ingelheim bei Mainz ein verstärktes staatliches Engagement bei der Integration von Flüchtlingen gefordert. „Jede Investition in die Integration neu ankommender Menschen ist eine Zukunftsinvestition in die Gesellschaft“, sagte der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung  beim Besuch der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende in Ingelheim, an der die rheinland-pfälzische Integrationsministerin Irene Alt teilnahm. Als Beispiel nannte Jung, der auch Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland ist, mehr Deutschkurse und eine bessere psychosoziale Betreuung.

Zentral ist es nach Jung „eine Willkommenskultur für Flüchtlinge zu etablieren und Schutzsuchende vom ersten Tage an zu integrieren“. Desintegration komme am Ende „alle teuer zu stehen“, wie die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte gezeigt hätten. Jung kündigte an, dass auch die hessen-nassauische Kirche sich noch stärker in rheinland-pfälzischen Gemeinden und Dekanaten beispielsweise durch die Förderung von Deutschkursen und die Unterstützung des freiwilligen Engagements einbringen wolle. Gleichzeitig würdigte Jung in Ingelheim auch das vielfältige staatliche und bürgerschaftliche Engagement für Menschen auf der Flucht.

Auch Verfahrensberatung stärken

Andreas Lipsch, Leiter des Bereichs Flucht, Interkulturelle Arbeit, Migration in der Diakonie Hessen, begrüßte es, dass es seit Anfang März in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende in Ingelheim eine hauptamtliche Verfahrensberatung gibt. Die Diakonie Hessen habe die Stelle Dank kirchlicher Mittel und eines finanziellen Zuschusses des Landes Rheinland-Pfalz zunächst für einen Zeitraum von drei Jahren einrichten können. Eine professionelle Verfahrungsberatung sei für die neu ankommenden Flüchtlinge von außerordentlicher Bedeutung, weil sie sie unter anderem auf die Anhörung durch das Bundesamt vorbereitet, nach der über die Asylberechtigung entschieden wird.

Gleichzeitig machte auch Lipsch deutlich, dass es dringend notwendig sei, die professionelle Beratung in Zukunft noch auszubauen. „Heute sind etwa 160 Personen in der Aufnahmeeinrichtung in Ingelheim untergebracht. Wenn die Kapazität dieser Einrichtung erst die vom Land geplanten 500 Personen erreicht hat, muss auch die Verfahrensberatung mitgewachsen sein. Dann wären eigentlich 1,5 Stellen notwendig“, sagte Lipsch.

Lipsch bat Ministerin Alt außerdem, auf die Kommunen einzuwirken, Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen. „Es sollte allgemeine Mindeststandards für die Unterbringung von Asylbewerbern geben, an die sich jede Kommune zu halten hat“. Im Blick auf die Bundesregierung forderte Lipsch die Abschaffung des sogenannten Asylbewerberleistungsgesetzes. Lipsch: „Wenn es laut Bundesverfassungsgericht ein menschenwürdiges Existenzminimum gibt, dann muss das für alle gleichermaßen gelten. Darum haben auch arbeitsfähige Asylbewerber einen Anspruch auf Leistungen nach SGB II, von Anfang an.“

Hintergrund
Ende November des vergangenen Jahres hatte die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau beschlossen, eine Million Euro zusätzlich in die Flüchtlingsarbeit von Kirche und Diakonie zu investieren. Davon werden 500.000 Euro in die Flüchtlingsberatung und in die Arbeit von Gemeinden, Dekanaten und Einrichtungen fließen, die sich in besonderer Weise für Flüchtlinge einsetzen und für eine neue Willkommenskultur eintreten. Mit weiteren 500.000 Euro sollen Projekte in Krisenregionen gefördert werden wie etwa ein Traumazentrum im nordirakischen Kirkuk oder der Aufbau einer Schule in Syrien.

In der Ingelheimer „Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende“ (AfA) leben derzeit rund 160 Asylbewerber vornehmlich aus Somalia, Ägypten, Afghanistan, Syrien, dem Iran, Irak und vom Balkan. Sie ist eine Außenstelle der rheinland-pfälzischen Aufnahmeeinrichtung in Trier, die für eine Unterbringung von bis zu 700 Menschen vorgesehen ist.

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